Drei Etruskerspitzmäuse flitzen durch ein Terrarium im Zoo Dresden unter der Erde.

Sie wuseln unablässig umher und fressen beinahe den ganzen Tag: Die Etruskerspitzmäuse gehören zu den aktivsten Bewohnern des Dresdner Zoos. Doch damit nicht genug der Superlative. Die aus dem Mittelmeerraum stammenden Winzlinge sind – zusammen mit den Hummelfledermäusen – die kleinsten Säugetiere der Welt. Ihr Körper ist nicht größer als eine Euro-Münze, ihre Herzfrequenz dafür umso höher. 1 500 Mal pro Minute schlägt der Lebensmotor der Minimaus, mehr als 15-mal schneller als der eines durchschnittlichen Menschen. „Im Verhältnis zur Körpergröße haben Etruskerspitzmäuse eine sehr große Körperoberfläche“, sagt Zoo-Kurator Matthias Hendel. „Sie verlieren viel Wärme und brauchen viel Energie, um das wieder auszugleichen.“ Deshalb seien sie ständig auf der Jagd nach passendem Futter, hielten maximal einen Tag ohne Nahrung aus. „In der freien Natur fressen sie verschiedene Wirbellose, am liebsten Insekten“, so Hendel. „Im Zoo bekommen sie vorwiegend lebende Heimchen.“

Durch ein Video, erzählt der Kurator, sei er auf die Haltung der quirligen Kleinsäuger gestoßen – und habe sie für den Zoo unter der Erde auserkoren. „Wir haben Gänge und Nistkammern in einen Porenbetonstein gekratzt“, erzählt Tierpfleger Roman Richter. „Das ist das A und O, wenn man die Tiere züchten will. Denn in ihrer Heimat leben sie in Mauerspalten und Steinritzen.“ Außerdem wurde das Terrarium mit Laub und Moos ausgestattet, damit die Spitzmäuse Nistmaterial finden und sich verstecken können. Theoretische Starthilfe erhielten die Dresdner aus dem Zoo Görlitz; die ersten drei Mauspärchen kamen von der Humboldt-Uni Berlin. „Eins davon setzten wir in die Schauanlage“, so Roman Richter. „Die anderen beiden lebten als Reserve und zur Zucht hinter den Kulissen, denn Etruskerspitzmäuse werden nur ein bis zwei Jahre alt.“ Nachwuchssorgen haben die Dresdner im Moment allerdings keineswegs: Mit dem Kindersegen aus dem Zoo unter der Erde konnten sie schon mehrere andere europäische Zoos beglücken.
So schnell wie bei Bewegung und Stoffwechsel sind Etruskerspitzmäuse nämlich auch bei der Vermehrung: Passen die Bedingungen, können sie das ganze Jahr hindurch Nachwuchs bekommen. Nach einer Tragzeit von 25 bis 27 Tagen wirft das Weibchen bis zu fünf Junge, die schon nach vier Wochen ausgewachsen sind. Roman Richter ist inzwischen Experte für die winzigen Tiere, zu denen es wenig Naturbeobachtungen und Erfahrungswerte gibt – er hat sich belesen, bei den Berlinern „mit den Augen geklaut“ und das nötige Gespür im Umgang entwickelt. Im Moment, so Kurator Hendel, flitzen drei Männchen durch die Gänge der Schauanlage. „Man sieht sie einfach häufiger als Paare. Und wenn es genug Futter gibt, vertragen sie sich auch gut.“ Auf jeden Fall machten die Minibewohner den Zoo unter der Erde noch ein ganzes Stück attraktiver. Birgit Hilbig

Etruskerspitzmaus, Foto: Zoo Dresden

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