Zirkus-Projekte werden immer beliebter. In nur drei Tagen studieren Schulkinder eine Galavorstellung ein und wachsen dabei über sich hinaus.

Auf einem schmalen Seil balancieren, in luftiger Höhe kleine Akrobatikübungen vollführen, mit einer Schlange tanzen oder wie ein richtiger Clown durch den Zirkusabend führen – dass man das alles in nur wenigen Tagen lernen und daraus eine unterhaltsame Zirkusshow machen kann, glauben viele nicht. Dass es gelingt und nicht nur die Zuschauer, sondern vor allem die Protagonisten selbst verzaubert, erleben immer mehr Schulklassen. Zirkus-Projekte für Schulen erfreuen sich großer Beliebtheit.

Die Idee: Der Zirkus kommt für ein paar Projekttage quasi in die Schule. Gemeinsam mit erfahrenen Artisten erarbeiten die Kinder meist in nur drei Tagen eine ganze Zirkusvorstellung, die sie dann direkt vor Ort im Zirkuszelt vor Eltern und Freunden aufführen. Was sie dabei alles lernen, geht weit über die eigentlichen Vorführungen hinaus.

„Wir übergeben Kindern dabei spielerisch Verantwortung. Ein Kind wird auf das andere angewiesen sein und muss sich zu hundert Prozent auf den Partner verlassen“, sagt Benjamin Hein, der aus einer traditionellen Zirkus-Familie stammt und derartige Projekte seit Jahren anbietet. Nicht nur der Teamgeist wird gefördert, auch die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, das Präsentieren vor Publikum und das Sprechen vor den Zirkusbesuchern stehen dabei im Vordergrund. „Jedes Kind kann in solch einem Projekt seine Rolle finden, ob es nun sportlich ist oder nicht, schüchtern oder extrovertiert“, sagt Andre Sperlich vom „1. Ostdeutschen Projektcircus“.

Aufgebaut wird das Zirkuszelt direkt an der Schule. Manche Anbieter verwandeln auch die Turnhalle der Schule in eine wahre Manege – mit Sägespänen, buntem Manegenteppich, Artisteneingang und besonderer Beleuchtung.

„Etwas vollkommen Neues auszuprobieren, mit Tieren zu arbeiten und wie echte Artisten wertvolle Kostüme zu tragen, hat bei den Kindern einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen“, sagt Lehrerin Julia Bergmann von der Grundschule Sachsdorf in der Gemeinde Klipphausen. „Es ist beeindruckend, zu sehen, wie es den Kindern unter Anleitung der erfahrenen Artisten gelingt, an nur drei Vormittagen eine ganze Gala-Show auf die Beine zu stellen und überzeugend zu präsentieren. Sie wachsen über sich hinaus und gewinnen so vielfach auch an Selbstbewusstsein.“

Nach drei Tagen schlüpfen die Kinder in farbenfrohe Kostüme, werden aufwendig geschminkt und stehen im echten Scheinwerferlicht. Der tosende Applaus am Ende ist ihnen meist gewiss. 15 Euro kostet das Projekt jeden Schüler zum Beispiel beim Circus Hein, die restlichen Kosten deckt der Anbieter über die Eintrittspreise zur Galavorstellung. „Viele Kinder sagten uns danach, es sei die beste Schulwoche des Jahres gewesen, weil alle so gut mitgemacht und sich geholfen hätten. Wie schön es gewesen sei, Tricks zu lernen und wertvolle Kostüme zu tragen und gleichzeitig zu sehen, wie hart das Zirkusleben auch sein kann. All das hat das Zusammengehörigkeitsgefühl unter unseren Schülern spürbar gestärkt. Auch für uns Pädagogen ist es eine wunderbare Gelegenheit, unsere Schüler in einem anderen Kontext kennenzulernen und ungeahnte Talente zu entdecken“, so Julia Bergmann. Im nächsten Sommer heißt es an ihrer Schule wieder: Manege frei!

Text: Skadi Hofmann, Foto: svetlanaab@fotolia.com

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