Was heutigen Großeltern so vorkommt, als sei es gar nicht lange her, ist für die Enkel manchmal kaum noch vorstellbar. In einer kleinen Serie fragen wir deshalb: Oma und Opa, wie war das damals in der Schule?

Manches war gar nicht so anders. Unsere Zuckertüte enthielt genauso wenig Zucker wie eure. Stattdessen steckten aber neben Milchdrops, Lakritzstangen und Pfeffi auch Heiko-Füller, Stofftaschentücher oder eine Federmappe darin. Mit Federn hatte die aber nichts zu tun, denn mit echten Gänsekielen schrieb man wohl schon vor 100 Jahren nicht mehr. Wenn ihr noch Urgroßeltern habt, fragt sie mal nach Schiefertafel und Griffel. Dann erzählen sie euch von linierter Vorder- und karierter Rückseite und von Schwamm und Tuch, die am Holzrand baumelten. Selbst wir DDR-Kinder gingen noch samstags zur Schule, zum Glück nur vier Stunden, das Mittagessen wartete zu Hause auf uns. Wochentags gab es Schulspeisung auf Marken, die wir für 55 Pfennige pro Tag gekauft hatten. Die doppelwandigen grünen Kübel enthielten für alle das Gleiche: Grützwurst, die wir tote Oma nannten, gekochte rote Beete, Gräupchensuppe, Nierchen, Kürbiskompott, naja. Am besten waren Kartoffelbrei und Jägerschnitzel oder die meist wässrigen Makkaroni mit hellroter Tomatensoße. Die Alu-Gabeln konnte man herrlich verbiegen. Entschädigt haben uns auf dem Nachhauseweg die kostenlosen Kuchenränder vom Bäcker. Wir hatten alle die gleichen Lehrbücher von der Fibel bis zum Tafelwerk. Statt Taschenrechner, die gab es schon, waren aber verboten, benutzten wir den Rechenstab. Dazu musste man vorher einen Überschlag bilden, um zu wissen, wo das Komma hingehört. Kopfrechnen haben wir per Bankrücken geübt. Den Abakus hab ich erst in der Sowjetunion kennengelernt, wo die Verkäuferinnen die Kugeln in einem Affenzahn hin und her schoben. In Deutsch haben wir „Mimi am Zaun, Oma im Haus“ gelesen. Und Zeile für Zeile gefüllt mit immer gleichen Schreibschrift-Buchstaben. Und im Fach Nadelarbeit lernten Jungs wie Mädchen Sockenstopfen oder Topflappenhäkeln. Wir saßen schon wie ihr an Zweiertischen mit Stühlen, auf denen wir – verbotenerweise – gern kippelten. Wir sollten die Arme hinter die Lehne nehmen, um gerade zu sitzen. Nur im Chemiezimmer standen Bänke mit schrägem Schreibpult und einem Loch fürs Tintenfass. Unsere Großeltern hatten schon daran gesessen – „die Schulbank gedrückt“ – und die altdeutsche Schrift gelernt. Wenn sie Fehler machten oder Regeln verletzten, setzte es was mit dem Rohrstock auf die vorgestreckten Finger oder den Hosenboden. Das kann man sich alles im Dresdner Schulmuseum angucken. Damals war zu Foto: pixabay.com © congerdesign Ostern Schuleinführung und zu Michaelis im September Halbjahr. Unser Schuljahr startete für alle am 1. September. Nach acht Wochen Sommerferien. Und die erste Stunde begann mit einem Lied, danach der Pioniergruß: „Seid bereit!“ „Immer bereit.“ Ab der achten Klasse hieß es: „Freundschaft!“ Una Giesecke

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