Regisseur Jörg Berger bringt Stücke mit Humor und Anspruch auf die Bühne der St. Pauli Ruine. Im Herbst startet im St. Pauli Salon das Projekt „Theater Kids“.

Ein Mann und eine Frau schieben einen Einkaufswagen auf der Bühne hin und her. Am Wagen klebt ein Zettel: „Kuscheldecken für kühle Stunden!“ Doch nach Kuscheln ist den beiden gerade nicht zumute. Die Luft ist heiß, nicht nur vom Wetter. Er klagt, wie sehr sie ihm fehle und ob ihr das Kind nicht leid tue. Sie beugt sich über den Wagen mit den Decken und tröstet, als läge dort wirklich ein Baby. Als er sich ihr nähern will, wehrt sie ihn ab. „Noch mal!“, unterbricht Regisseur Jörg Berger die Szene. Myrrhine hat ihren Mann Kinesias noch zu liebevoll umarmt. Sie soll es verführerischer, berechnender tun. Um ihn dann kalt abblitzen zu lassen. Keine Liebe und Zärtlichkeit mehr, bis die Männer ihre gewaltsamen Machtkämpfe und Kriege beenden! So lautet das Motto der Frauen im Stück „Lysistrata oder Der Weiberkrieg“. Die zeitlos aktuelle Komödie von Aristophanes steht seit Sommer im Spielplan der St. Pauli Ruine und ist in dem urig-romantischen Backsteingemäuer noch bis 9. Oktober zu sehen. Mit viel Witz, Spielfreude und Power agieren die begeisterten Laiendarsteller. Da wird umgarnt, gestritten, aus Wasserpistolen gespritzt, verhandelt und fröhlich Versöhnung gefeiert. Und Kinesias, gespielt von Ronald Kieschnik, kann endlich seine geliebte Myrrhine, dargestellt von Steffi Gerber, wieder in die Arme schließen. Die Lysistrata verkörpert mit ansteckender Energie Yvonne Dominik, eine diplomierte Sängerin. „Die Lust am Spiel, an der Konfrontation, sich beweisen zu wollen und am Ende der Beifall der Zuschauer, einen erfolgreichen Abend zusammen mit der Gruppe zu haben, der auch nachwirkt“, darin liegt für den künstlerischen Leiter der Theaterruine, Jörg Berger, der Reiz am Inszenieren. Er stammt aus Magdeburg, hat Hydrologie, die Wissenschaft vom Wasser, an der TU Dresden studiert. Entschied sich dann aber fürs Theater, um zusammen mit anderen etwas zu entwickeln und bewegen. Nach dem Studium arbeitete Berger drei Jahre lang als Dramaturg am Puppentheater des TJG. Sein erstes Stück an der Studentenbühne der TU, die er auch einige Zeit leitete, war „Das blaue Licht“ von Franz Fühmann. Drei Jahre lang führte er Regie beim „Rocktheater Dresden“ mit Aufführungen zur Jiddischen Musik- und Theaterwoche, und nach dessen Auflösung inszenierte Jörg Berger mit einer kleinen Gruppe, dem „Theater von unten“, ab 1999 in der damals noch unsanierten Theaterruine. Ihr erstes Stück hieß „Herkules und der Stall des Augias“. Inzwischen gibt es den Verein TheaterRuine St. Pauli e.V. mit mehr als 100 Mitgliedern, davon rund 65 Spieler zwischen 13 und 80 Jahren. Wenn sie nicht auf der Bühne stehen, kümmern sie sich bei den rund 150 Veranstaltungen pro Saison um Eintritt, Gastronomie und Aufräumen. Sie alle bringen viel Energie, Engagement, freie Zeit, aber auch Unterschiede ins sozial bunt gemischte Spielerensemble mit. „Die Kunst ist, alles unter einen Hut zu bringen, dazu braucht es Fingerspitzengefühl, Geduld und Durchsetzungsvermögen“, so Berger. Erzählt werden Geschichten, die die Akteure selbst spannend finden, mit viel Humor, nah am Publikum und Bezug zur Gegenwart. Nach dem Ausbau der Theaterruine mit Glasdach, Lärmschutz und besserer Akustik sind neben Schauspiel wieder verstärkt Musiktheater und Konzerte in allen Klangfarben angesagt. Gespielt werden Klassiker wie Shakespeares „Sommernachtstraum“, Komödien wie Molières „Der Bürger als Edelmann“ bis zum flippigen Goethical „Faust rockt“. Im Herbst startet das Projekt „Theater Kids“, eine Gruppe für spielfreudige junge Leute zwischen 8 und 21 Jahren im St. Pauli Salon (Anmeldungen im Büro der Theaterruine). Unterstützung dafür kommt von den Dresdner Lionsclubs, die den Reinerlös des 11. Dresdner Entencups auf der Elbe für dieses neue Angebot spenden. „Wenn ich leidenschaftlich für etwas brenne, kann ich auch leichter überzeugen. Das ist eigentlich das Geheimnis“, so Jörg Berger. Sein zehnjähriger Sohn Tamino kommt auch gern hierher, schaut manchmal bei den Proben zu und hat schon in einem Kinderstück mitgespielt. Lilli Vostry

Weitere Infos:

www.pauliruine.de

Foto: Lilli Vostry

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