Kickende Mädchen sind spätestens seit der Frauen-WM 2011 in Deutschland nichts Außergewöhnliches mehr. Die Dresdnerin Renée Jeremias ist eine von ihnen.

Samstag halb zwölf an der Wurzener Straße in Dresden. Die Schiedsrichterin hat gerade abgepfiffen, die Teams verlassen das Spielfeld: auf der einen Seite eine Jungenmannschaft, auf der anderen Seite ein reines Mädchenteam. Jungs gegen Mädchen? „In diesem Alter ist das normal. Es gab diese Saison nicht ausreichend weibliche Mannschaften in Dresden, sodass wir in der 2. Stadtklasse der D-Junioren bei den Jungs mitspielen“, erklärt Kai Grösel. Er ist Trainer der D-Juniorinnen des 1. FFC Fortuna Dresden. Seine Tochter Renée Jeremias lässt heute ein wenig den Kopf hängen – die Partie ging knapp mit 4:5 gegen die Jungs von SV Fortuna Rähnitz verloren. „Ich habe drei Tore geschossen, aber das hat leider nicht gereicht“, sagt die 13-Jährige mit den auffälligen Sommersprossen.

Seit sie fünf Jahre alt wurde, tritt Renée gegen das runde Leder. „Ich habe mich schon im Kindergarten mehr für Fußbälle als für Puppen interessiert“, erzählt sie. In Dresden- Neustadt fing sie in einem „gemischten“ Verein an, Fußball zu spielen, entschied sich aber vor drei Jahren für einen Wechsel in einen reinen Mädchenfußballverein. Dass Jungs und Mädels zusammenspielen, klappt mit zunehmendem Alter dann nicht mehr so gut – vor allem in der Pubertät“, erklärt ihr Vater. Ein bisschen müsse man sich als Mädchen schon noch durchkämpfen in diesem Sport. Seine Tochter aber irritiert das kaum. Beim 1. FFC Fortuna fühlt sie sich wohl, hat sich mittlerweile auch mit ihrer Position im zentralen Mittelfeld arrangiert und trägt die Kapitänsbinde. 120 Mädchen und Frauen zählt der Club, dessen erste Damenmannschaft in der dritten deutschen Liga kickt.

Zweimal pro Woche trainiert Renée derzeit an der Wurzener Straße, die Wochenenden sind meist gefüllt mit Punktspielen, Turnieren oder auch mit Lehrgängen. Denn Renée gehört der Landesauswahl Sachsen an, darf daher mehrmals im Jahr an speziellen Trainingslagern und Auswahlturnieren teilnehmen. Acht Pokale für die „Beste Spielerin“ und sieben für die „Torschützenkönigin“ stehen bei ihr zu Hause.

Doch wer jetzt denkt, Renées Vorbild sei eine deutsche Nationalspielerin, der irrt sich. Es ist … na klar: „Cristiano Ronaldo“, verrät sie schmunzelnd. „Ich schaue mir nicht sehr oft Spiele der Frauennationalmannschaft an, weil sie häufig nachmittagslaufen, wenn wir Schule, Training oder Turniere haben.“ Einmal selbst mit dem deutschen Bundesadler auflaufen – für Renée ist das noch weit weg. „Ich habe mir darüber noch nicht so viele Gedanken gemacht. Mir macht Fußball einfach Spaß.“ Dass der Papa gleichzeitig der Trainer ist – „das ging anfangs gar nicht, klappt mittlerweile aber gut“, sagt sie. „Das Sportliche bleibt auf dem Platz und wird nicht mit nach Hause getragen“, so Kai Grösel. Er selbst kommt nicht aus dem Fußballgeschäft, das Traineramt wollte er eigentlich nur zeitweise ausfüllen. „Aber es ist schwer, Trainer für den Frauenfußball zu finden. Unsere erste Damenmannschaft spielt in der dritten Liga – Geld können wir daher kaum bieten“, sagt er. Er wird das Team von Renée wohl noch eine Weile trainieren, sich selbst weiterbilden und mit zu Turnieren fahren. Bis nach Görlitz, Elsterwerda oder Berlin geht es dann – meist bilden die Eltern der Kickerinnen Fahrgemeinschaften.

Für Renée neigt sich die aktuelle Saison dem Ende zu. Sie freut sich auf Camping am See und Ferien. „Aber Fußball wird natürlich trotzdem gespielt, da findet sich immer eine Gelegenheit.“  Skadi Hofmann

Foto: Skadi Hofmann

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