Putzige Puschelohren

Eichhörnchen leben immer häufiger in Parks und Gärten. Wer ein hilfsbedürftiges Tier findet, sollte sich am besten an den Eichhörnchen-Notruf e.V. wenden.

Die Baumwipfel sind ihre Heimat. Sie huschen in Parks über den Rasen, klettern an Baumstämmen hinauf und er-freuen mit ihrem possierlichen Verhalten Groß und Klein. Sie haben auf dem Bauch weißes und auf dem Rücken rotbraunes bis schwarzes Fell. Der buschige Schwanz misst 17 bis 20 Zentimeter – und ist damit fast so lang wie der ganze Körper. Mit dem Schwanz halten die kleinen Kletterer bei ihren akrobatischen Sprüngen und Klettertricks zwischen den Baumkronen das Gleichgewicht.

Auffällig sind auch die Ohren: Sie werden wegen der Haarbüschel, die daraus wachsen, auch Pinselohren genannt. Experten bezeichnen den putzigen Nager mit seinem lateinischen Namen Sciurus vulgaris, in unseren Nachbarländern wird er unter anderem Wiewiórka, Eekhorn, Bilka oder Scoiattolo genannt. Der deutsche Name „Eichhörnchen“ (mit seinen regionalen Varianten „Eichhase“, „Eichkater“, „Eichkatze“ oder „Eichkätzchen“) leitet sich nicht etwa von der Eiche ab (denn Eicheln schmecken den kleinen Kerlchen weniger), sondern vom altdeutschen Wort „aig“, was „flink“ oder „schnell“ bedeutet. Die laut Bundesartenschutzverordnung besonders geschützten Eichhörnchen sind immer häufiger in städtischen Gärten und Parkanlagen anzutreffen. Hier finden sie meist ausgezeichnete Lebens-bedingungen vor, die in den Wäldern durch die Forstwirtschaft oft nicht mehr gegeben sind. Daher nahm in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Eichhörnchen in den Wäldern ab, in den Städten hingegen deutlich zu. Allerdings klingeln – bildlich gesehen – in Eichhörnchenkreisen am Ende dieses Jahres die Alarmglocken: Der Sommer war ungewöhnlich warm und trocken, es gibt nicht ausreichend Nahrung für den Winter. In Süd- und West-deutschland sieht die Lage besonders kritisch aus. Für die Hörnchen wichtige Pflanzen wie Haselbüsche oder Walnuss-bäume trugen zu wenige Früchte.

Für die sächsischen Eichhörnchen gibt es allerdings weniger Grund zur Sorge. „Tatsächlich ist die Lage nicht so bedroh-lich, wie behauptet wird“, sagt Jaqueline Gräfe vom Verein Eichhörnchen-Notruf. Die Dresdnerin kümmert sich mit dem bundesweiten Netzwerk um das Wohl der kleinen Nager. „Wir sehen keine akute Gefahr, dass Eichhörnchen dieses Jahr verhungern oder zu wenige Vorräte anlegen können. Zwar gibt es weniger Haselnüsse als sonst, aber 2018 war ein Mastjahr. Das bedeutet auch, dass in diesem Jahr mehrere Baumarten gleichzeitig und besonders stark blühten. Dadurch gibt es mehr Walnüsse und Bucheckern. Beides fressen Eichhörnchen, außerdem Rinde, Baumknospen und Pilze. Vorräte finden sie also genug.“

Dennoch sind viele Eichhörnchen auf Hilfe von Menschen angewiesen. „Wenn sie selber nicht sammeln können, sollten wir das für sie übernehmen“, sagt die Expertin. „Überall fallen Nüsse von Büschen und Bäumen. Wir sollten sie aufheben, trocknen und einlagern, um die Hörnchen über die Herbst- und Wintermonate zu füttern.“ Gern nehmen die Mitarbeiter des Eich-hörnchen-Notrufs Futter-spenden entgegen. „Im vergangenen Jahr erreichten uns 80 Kilo Walnüsse und 60 Kilo Hasel-nüsse. Das hat unseren Schützlingen immens geholfen.“ Doch der Verein Eichhörnchen-Notruf ist nicht nur aktiv, wenn es ums Füttern der Puschelohren geht. „Im vergangenen Jahr konnten wir im gesamten Bundesgebiet über 3 500 Tieren helfen, die verletzt, unterkühlt, aus dem Nest gefallen oder Menschen zugelaufen waren“, blickt Jaqueline Gräfe zurück. „Die meisten An-rufer unserer Hotline brauchten dringend Anleitung für die richtige Betreuung des kleinen Patienten. Dabei muss man leider immer wieder feststellen, dass sie mit übertriebener Tierliebe eher schaden als helfen.“ Wer ein verletztes oder anderweitig hilfsbedürftiges Tier findet, sollte besser den Eichhörnchen-Notruf wählen. Dort gibt es sach- und fachgerechte Hilfe. „Wir nehmen die Kleinen dann auch in Pflege. Sie werden behandelt, betreut und artgerecht wieder ausgewildert.“

Text: Ekki Garten, Foto: serikbaib@fotolia.com

Weitere Infos:
Eichhörnchen-Notruf e.V.
Tel. 0700 20020012
(von Oktober bis Februar täglich 17 bis 19 Uhr, ab März zusätzlich 10 bis 12 Uhr),
www.eichhoernchen-notruf.com

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