Zahnärztliche Vorsorge für die Jüngsten wird erweitert und im Gelben Heft dokumentiert.

Die gute Nachricht zuerst: Karies bei Kindern geht zurück. Die 5. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) hat gezeigt, dass die Mundgesundheit gute Fortschritte macht. Acht von zehn Zwölfjährigen sind heute kariesfrei. Damit hat sich die Zahl der kariesfreien Gebisse seit 1997 verdoppelt.
Als Grund werden regelmäßige Kontrollen und Vorsorgebehandlungen beim Zahnarzt, wie etwa die Versiegelung der Fissuren – der Vertiefungen auf der Kaufläche – der Backenzähne genannt. Was bei den meisten Schulkindern sehr gut funktioniert, klappt bei den ganz Kleinen allerdings nicht so gut. Bei den unter ein- bis dreijährigen Kindern haben die sogenannte frühkindliche Karies, early childhood caries (ECC), sowie die Nuckelflaschenkaries in den letzten Jahren eher zugenommen, warnen Zahnärzte. Insbesondere Kinder aus Bevölkerungsschichten mit geringer Bildung und niedrigem sozialen Status sind gefährdet. Im Bundesdurchschnitt leiden etwa 10 bis 15 Prozent der Kinder an frühkindlicher Karies. „Die Ursachen für die Erkrankung sind vielfältig“, sagt Dr. Thomas Breyer, Vizeprä-sident der Landeszahnärztekammer Sachsen und praktizierender Zahnarzt in Meißen. „Aber speziell die zunehmende zucker- und säurehaltige Ernährung mit Softdrinks, Säften oder süßen Zwischenmahlzeiten wie Kuchen, Schokolade oder Keksen spielt eine sehr große Rolle. Bei den Babys wiederum ist es das ständige Nuckeln am Fläschchen mit Milch, süßem Tee oder Saft, das dazu führt, dass die Schneidezähne permanent von einer süßen oder sauren Flüssigkeit umspült und so geschädigt werden.“ Denn Bakterien im Mundraum verwandeln Zucker in Säure, die den Zahn entkalkt und langsam zerstört. Enthalten die Getränke zusätzlich Säure, wird dieser Effekt verstärkt. Hinzu kommt die mangelnde Aufmerksamkeit der Eltern hinsichtlich der Mundhygiene ihrer Kinder. Aber gerade sie bedürfen einer intensiven zahnärztlichen Betreuung, und in Deutschland gibt es Vorsorge-Programme für Kinder und Jugendliche, die zum größten Teil von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden.

Bonusheft für die Kids

Für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr beginnt in den Zahnarztpraxen ein spezielles Vorsorge-Programm (IP-Programm, IP = Individualprophylaxe). Im halbjährlichen Rhythmus untersucht der Zahnarzt dabei die Zähne. Danach werden die Zahnputzbemühungen des Kindes kontrolliert, wobei Färbemittel noch vorhandene Beläge sichtbar machen. So können dem Kind und den Eltern gezeigt werden, wo in Zukunft noch besser geputzt werden muss. Auch die richtige Putztechnik und die Anwendung von Zahnseide werden erläutert und demonstriert. Danach werden die Kinder regelmäßig einbestellt, um sie für die Zahnpflege erneut zu motivieren. Am Ende des Termins wird Fluorid in Form von Gelen oder Lacken auf die Zähne aufgetragen. Für Jugendliche, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, endet das halbjährliche Vorsorge-Programm. Lohn der Mühe: Bei guter Mitarbeit treten die Jugendlichen mit kariesfreien Zähnen ins Erwachsenenalter. Mit dem 12. Lebensjahr wird für Kinder ein Bonusheft angelegt. Zweimal pro Jahr werden darin die Vorsorgetermine abgestempelt, ab 18 genügt ein Stempel pro Jahr für den Krankenkassenbonus. Wer über fünf Jahre das Heft lückenlos geführt hat, bekommt 20 Prozent zusätzlich zum Festzuschuss der Krankenkassen, wenn Zahnersatz notwendig wird, nach zehn Jahren sind es 30 Prozent. „Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass die Eltern darauf achten, dass wirklich zwei Untersuchungen – samt Stempel – pro Jahr wahrgenommen werden. Bei nur einem Stempel verlieren sie den Anspruch auf den Bonus“, so Dr. Breyer.

Zahnschutz für die ganz Kleinen

Dem Vorsorge-Programm ab sechs Jahren sind Früherkennungsuntersuchungen beim Zahnarzt (FU) für Kinder im Alter zwischen 30 und 72 Monaten vorgeschaltet. „Aber auch davor sollten die Kleinsten regelmäßig ab dem ersten Zahn zu Kontrollterminen in der Zahnarztpraxis erscheinen“, empfiehlt Dr. Breyer. „Insbesondere, um sie langsam an die Behandlungssituation zu gewöhnen und den Eltern wichtige Informationen zur Mundhygiene und dem Ernährungsverhalten zu vermitteln.“ In der häuslichen Zahnpflege sollten bereits Säuglinge und Kleinkinder mit etwa einem halben Jahr, wenn sie den ersten Zahn bekommen, an die tägliche Pflege herangeführt werden. Das geschieht täglich einmal mit einer kindgerechten weichen Zahnbürste und einem Hauch fluoridhaltiger Kinderzahncreme. Ab dem zweiten Lebensjahr sollte dies zweimal täglich erfolgen. Wenn es um die Motivation kleiner Zahnputzmuffel geht, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Beim Singen, Reimen, Tanzen machen Kinder immer gerne mit. Entsprechende Lieder und Texte finden sich im Internet. Auch können Zahnpasta und Bürste im Kampf gegen ge-fährliche Zahnmonster zum Einsatz kommen. Diese müssen aus dem Mund vertrieben werden, und mit jedem Putzen entwickelt sich die von den Eltern erzählte Abenteuergeschichte fort. – Es gibt viele Möglichkeiten, damit das Zähneputzen für Kinder spielerisch zur Routine wird. „Angesichts der Entwicklung der frühkindlichen Karies fordert die Zahnärzteschaft, dass noch mehr für Kinder unter 30 Monaten getan wird, denn in dieser Zeit wird der Grundstein für einen gesunden Mund gelegt“, unterstreicht Dr. Breyer. So sollten die FUs mit Mundgesundheitschecks, mit Beratung und Aufklärung der Eltern zur Prophylaxe und Ernährung sowie Mundhygienetraining mit den Kindern zukünftig früher beginnen, nämlich ab dem Durchbruch der ersten Milchzähne im 6.–9. Lebensmonat. Danach sollte sich das bisherige FU-Programm anschließen.
Ein erster kleiner Schritt in diese Richtung ist bereits erfolgt. Seit Kurzem enthält das neue „Gelbe Kinderuntersuchungsheft“, das die ärztlichen Untersuchungen U1 bis U9 dokumentiert, ab der U5 (6.–7. Lebensmonat) insgesamt sechs ankreuzbare Verweise zum Zahnarzt. „Damit sollen Eltern und Kinderärzte motiviert werden, das Thema Mundgesundheit auch bei Kleinkindern im Fokus zu haben“, so Dr. Breyer. Sylvia Schmidt

Foto: proDente e.V., Thessa Wolf

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