Aufräumen ist eine große Herausforderung. Kleine Aktionen wie das Ordnen von drei Dingen vor dem Zubettgehen helfen Kindern aber, einen selbstbestimmten Rhythmus zu entwickeln.

Die Dresdner Kindergärtnerin Felicitas Vogel hat über 15 Jahre lang in verschiedenen Einrichtungen gearbeitet.

„Ich setze bei der Erziehung immer am Selbstbildungsprozess an, um zu erreichen, dass das Kind auch aus eigenem Antrieb heraus lernt und mit Freude die Welt entdeckt“, sagt die 37-jährige. „Zweijährige zum Beispiel fangen ganz von allein an, Ordnung in ihr Umfeld zu bringen. Das sollten Eltern unterstützend begleiten.“ Hier einige Tipps:

Vorbildrolle: Die vorgelebte Ordnung der Eltern macht auf das Kind indirekt mehr Eindruck als eine wiederholt ausgesprochene Aufforderung zum Aufräumen.

Gemeinsam ist man stärker: Alles, was man als Familie miteinander erlebt, taktet sich viel nachhaltiger in den Lebensrhythmus der Kinder ein. „Gerade wenn die Kleinen mit entscheiden können, wo etwas hingehört und wie der Raum gestaltet wird, ermöglicht man dem Kind, selbstbestimmt zu spielen und aufzuräumen. Dann wird auch das Ordnungschaffen schnell zu einem Teil des Spielens.“ Auf diesem Weg lernt das Kind auch, Stück für Stück Verantwortung für sich und sein Zimmer zu tragen.

Fragen statt befehlen: Es empfiehlt sich, dem Kind auf Augenhöhe zu begegnen und es zum Beispiel zu fragen, wo etwas hingehört. Die Erkenntnis und Handlung kommen dann hauptsächlich vom Kind selbst. Die pauschale Ansage „Geh mal aufräumen“ ist gerade für die Kleinen zu abstrakt.

Gute-Laune-Booster: Je mehr Freude mit dem Aufräumen verknüpft ist, desto niedriger sind die Hürden. Da können Spiele und Rituale helfen. Ein Snack ab und zu hilft genauso wie Musik im Hintergrund. Das können Aufräum- oder Lieblingslieder sein.

Drei kleine Handgriffe: Es motiviert Kinder, wenn sie anstelle eines anstrengenden Aufräumtags pro Woche jeden Abend drei kleine Dinge aufräumen, bevor sie ins Bett schlüpfen. So wird das Ordnung-Machen zur Gewohnheit.

Haufenspiel: Alle im Zimmer wild rumliegenden Spielsachen auf einen Haufen legen. „Wer findet die meisten roten Bausteine?“ Die werden dann gleich in die dazugehörige Kiste gelegt.

Selektiv aufräumen: Kinder lieben es, auch mal etwas stehen zu lassen, denn sie sollen in ihrem Zimmer ja leben und sich entfalten können. Das Chaos drumherum sollte aber aufgeräumt werden.

Kistensystem: Jeder Gegenstand hat eine Funktion; Aufbewahrungsbehälter helfen beim Sortieren und Sammeln. Eine leicht zu erreichende Kiste mit den Lieblings(spiel)sachen sollte immer, auch für spontane Ausflüge, bereitstehen. So lernt das Kind, die ihm wichtigen Dinge griffbereit zu halten und zu schätzen. Ein weiterer Behälter steht am besten in der Abstellkammer: In diesen kann das Kind selbstständig nicht mehr benötigte Gegenstände legen, um sie später vielleicht zu verschenken.

Wiederentdecken: Das Kind sortiert in Ruhe einige Spielsachen aus, die einige Wochen oder Monate auf dem Dachboden gelagert und dann wieder zurückgeholt werden – im Austausch gegen andere. So bleiben sie interessant, und es muss nicht so oft etwas Neues gekauft werden.

Überblick behalten: Den Überblick behalten Kinder am besten, wenn die Behälter durchsichtig sind. Bei undurchsichtigen Kisten kann man auch ein ausgedrucktes Foto vom Spielmaterial außen ankleben.

Text & Foto: Marion N. Fiedler

Foto: Marion N. Fiedler

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